Ein Wort, drei Bedeutungen: Warum Gespräche kippen und wie Sie gegensteuern

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Von Philippe Troesch

Seit ich das verstanden habe, laufen meine Diskussionen viel entspannter. Der Grund ist erstaunlich einfach: Jedes Wort trägt drei Bedeutungen in sich. Und die dritte entscheidet oft darüber, ob ein Gespräch gelingt oder die Stimmung kippt.

Was ich sage, ist selten das, was ankommt

Wir kennen alle das Problem: Was ich sage, ist selten dasselbe wie das, was bei Ihnen ankommt. Körpersprache, Tonfall und Umgebung vermitteln oft einen ganz anderen Eindruck als den, den ich beabsichtigt habe.

Das passiert schon in der eigenen Muttersprache, wenn Sie sich mit Freunden oder Ihrem Partner unterhalten. Wir alle kennen die Situation, in der die Stimmung kippt, weil eine Aussage völlig anders ankam als gemeint.

Dann kommen kulturelle Unterschiede dazu. Schon für mich als Schweizer mit Deutschen, oder umgekehrt, kann es knifflig werden. Und erst recht, wenn wir uns in einer Sprache wie Englisch unterhalten, die für uns beide eine Fremdsprache ist und mühsam gelernt wurde.

Zum Thema Kommunikation gibt es ganze Studiengänge und unzählige Bücher. Hier finden Sie die für mich wesentliche Erkenntnis, die Sie sofort nutzen können.

Ein Wort, eine Aussage, hat drei Bedeutungen. Die dritte ist die grosse, unterschätzte Stolperfalle.

1. Die Definition: Was im Wörterbuch steht

Die erste Bedeutung lässt sich lernen und nachschlagen. Trotzdem beginnen die Missverständnisse hier bereits, zum Beispiel bei technischen und produktspezifischen Begriffen oder bei branchenüblichen Wörtern, die in jedem Unternehmen etwas leicht anderes meinen.

Auch die nachkommende Generation nutzt Wörter oft anders, als wir es gelernt haben. Als mir ein junger Teilnehmer einmal sagte, ich sei “GOAT”, war ich zunächst beleidigt. Mittlerweile strahle ich über dieses Kompliment (es steht für “Greatest of All Time”).

Wenn Sie voraussetzen, dass Ihr Gegenüber dieselbe Definition verwendet, sind Sie im Gespräch bereits auf unterschiedlichen Gleisen unterwegs.

2. Der Kontext: Gleiches Wort, andere Situation

Dieselben Wörter können je nach Situation etwas anderes bedeuten, auch wenn beide Seiten dasselbe Wort benutzen. Sie kennen das.

Kulturelle Unterschiede spielen hier mit hinein, und es wird kniffliger. Mein Lieblingsbeispiel ist das Wort “eventuell”. Für uns Deutschsprachige heisst es so viel wie “vielleicht”. Das ähnlich klingende englische “eventually” wird dagegen eher als “schlussendlich” verstanden. Gleicher Klang, fast entgegengesetzte Bedeutung.

Stellen Sie sich vor, ein Kunde schreibt “We will eventually order”. Aus Schweizer Sicht liest sich das wie eine vage Absichtserklärung, gemeint ist aber eine feste Bestellung. Ein kleines Wort, ein grosser Unterschied in der Planung.

3. Das Gewicht: Das Gefühl hinter dem Wort

Hier wird es richtig knifflig. Jedes Wort löst bei uns Gedanken und Gefühle aus, und die sind von Mensch zu Mensch verschieden.

Ein Beispiel, das ich oft erlebe: Wenn ich sage, ein Produkt sei “made in Switzerland”, will ich damit ausdrücken, dass es genau, zuverlässig und präzise ist. Sie verstehen darunter vielleicht: Es ist teuer. Mein gut gemeinter Pitch landet im Abseits, weil ich plötzlich zu teuer bin.

Besonders bei beschreibenden Wörtern kann das völlig anders ankommen, weil Erfahrung und Kultur das Gewicht verschieben. Ein Amerikaner, der “fantastic” sagt, drückt Begeisterung aus. Wenn ich das sage, klingt es für manche eher sarkastisch. Gleiches Wort, komplett anderes Gefühl.

Die ersten beiden Bedeutungen kann man lernen. Eine kurze Recherche genügt, und man gleicht sich an. Das Gewicht dagegen lässt sich nicht nachschlagen. Die Stimmung kann schnell kippen, wenn ich gut gemeinte Wörter verwende, die für Sie ein ganz anderes Gewicht haben.

Was Sie in der nächsten hitzigen Diskussion tun können

Wenn Sie merken, dass Sie nicht weiterkommen oder das Gespräch sogar hitzig wird, hilft ein ganz pragmatisches Vorgehen:

  1. Denkpause einlegen. Atmen Sie durch und treten Sie gedanklich einen Schritt zurück.
  2. Das Ziel klären. Fragen Sie sich, worum es eigentlich geht und was das Ziel des Gesprächs ist.
  3. Die Frage stellen. Sprechen Sie das Ziel aus und fragen Sie Ihr Gegenüber: “Was verstehen Sie darunter, wenn ich das so sage?” Seine Antwort ist der wichtigste Schritt zu einem besseren Verständnis.
  4. Spiegeln. Umgekehrt können Sie die Aussage Ihres Gegenübers wiedergeben, so wie Sie sie verstanden haben. Das schafft Klarheit, bevor aus einem Missverständnis ein Streit wird.
  5. Gemeinsam definieren. Gehen Sie zurück zum Anfang und legen Sie die Wörter gemeinsam fest. Die gemeinsame Definition muss nicht dem Wörterbuch entsprechen. Entscheidend ist, dass Sie sich verstehen.

Fazit

Worte tragen Definition, Kontext und Gewicht in sich. Wer alle drei im Blick behält, führt Gespräche entspannter, ob im Meeting, im Kundentermin oder am Familientisch. Zurück zum Anfang, gemeinsam definieren, fertig ist die Einigung. So können Sie vorangehen.

Welches ist Ihr Killerwort in Meetings? Schreiben Sie es mir gerne in die Kommentare.

Wenn Sie dieses Thema in Ihrem Team oder bei Ihrer nächsten Veranstaltung vertiefen möchten, als Vortrag oder Workshop, freue ich mich über Ihre Nachricht.


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