Gute Führung ist dosierte Begeisterung. Eine Idee muss aber zuerst reifen wie ein guter Wein, bevor sie ins Team kommt.
Begeisterung ist ein Geschenk. Sie bewegt Teams, öffnet Türen und macht aus einer Idee ein Projekt. Genau deshalb lohnt es sich, sie bewusst einzusetzen. Es ist eine Führungsaufgabe, Mitarbeitende nicht mit der Top-Idee von Mitternacht zu überrollen. Aber was heisst das konkret?
Ein Blick ins Fitnessstudio
Stellen Sie sich vor, Sie besuchen ein Fitnessstudio, an den Kraftmaschinen oder im Gruppentraining. Der Trainer ist sympathisch und möchte seine Leidenschaft mit Ihnen teilen. Welcher Trainer bringt Sie weiter?
Trainer A zieht sein Programm durch, mit Belastung und Tempo, wie er es selbst liebt. Er feuert Sie an, noch mehr zu geben, auch wenn die Ausführung längst nicht mehr sauber ist, die Knie sich melden und der Puls rast.
Trainer B hat dieselben Übungen im Gepäck. Er macht sie vor, schaut Ihnen zu und korrigiert die Haltung. Er spürt, wann das Gewicht reduziert oder das Tempo gedrosselt werden darf. Und bei der Person neben Ihnen erhöht er die Schwierigkeit, weil sie bereit dafür ist.
Beide Trainer sind begeistert, lieben ihren Job und möchten das weitergeben. Aber nur einer begeistert so, dass Sie nächste Woche wiederkommen.
Ich habe beide Typen erlebt, in verschiedenen Ausprägungen. Im Sport und im Büro.

Und im Büro?
Der Chef schreibt am Sonntag schnell eine E-Mail. Um Mitternacht kommt ein Gedanke, der sofort geteilt wird. Am Samstagmorgen landet eine Einladung im Postfach: „Lass uns sprechen“, gleich für Montag früh, Thema offen.
Die Mitarbeiterin sieht den verpassten Anruf und wirft kurz einen Blick ins Postfach. Die Gedanken drehen sich übers Wochenende weiter. Was will der Chef? Ist es dringend? Sie ruft zurück, denn vielleicht ist es ein Notfall.
Es ist eine neue Marketingidee. Eine tolle Idee, aber kein Notfall. Dadurch beschäftigt man sich aber am Wochenende wieder mit dem Geschäft, statt mit Familie und den Freunden.
Das geht eine Weile gut. Aber wie beim Training gilt: Puls dauernd oben und Gelenke an der Belastungsgrenze, das macht kein Körper und kein Geist auf Dauer mit.
Was gute Coaches und Vorgesetzte anders machen
Sie wissen, wann welche Begeisterung passt. Sie kennen ihr Team und wissen, wer am Wochenende kurz ins Postfach schaut. Natürlich könnten sie das nutzen. Es zeugt aber von Respekt und Verständnis, wenn die E-Mail erst am Montag im Postfach landet und Anrufe den echten Notfällen vorbehalten bleiben. Das ist Führungsstärke.
Nicht jede Idee ist reif, und das ist gut so
Neue Ideen sind toll und wichtig. Nicht jede ist aber schon reif für die Umsetzung. Mein Tipp: Halten Sie Ideen in einer Form fest, die zu Ihnen passt.
- Old School: Das Notizbuch auf dem Nachttisch.
- Smartphone: Dafür gibt es ausreichend Apps.
- Modern: Eine Audioaufnahme, die eine KI zusammenfasst und Ihnen per E-Mail ins eigene Postfach schickt.
Dann gönnen Sie sich einmal pro Woche eine Kaffeepause mit Ihren Ideen. Schauen Sie alles in Ruhe an und sortieren Sie in vier Fächer:
- Löschen: Die Idee hat um Mitternacht besser geklungen als am Mittwoch. Das passiert den Besten.
- Reifen lassen: Gut, aber der Zeitpunkt passt noch nicht. Ins Visionen-Kapitel.
- Delegieren: Jemand im Team kann weiter daran arbeiten.
- Umsetzen als Chefsache: Bereit für den Start.
So geht keine Idee verloren, und niemand wird mitten in der Nacht oder am Wochenende angestossen.
Drei kleine Kniffe, die sich bewährt haben
- Zeitversetzt senden. Eine neue Idee kann einen wachhalten, und man möchte sie teilen. E-Mail schreiben, dann zeitversetzt senden. So gehen weder Idee noch E-Mail vergessen, und die Empfänger geniessen ihre Freizeit.
- Thema in die Einladung. „Neue Marketingidee, 15 Minuten, Zeit zum Ideenaustausch“ entspannt und erleichtert die Vorbereitung.
- Das Team kennen. Manche reagieren spontan im Meeting und entwickeln Ideen direkt mit Ihnen weiter. Andere bereiten sich gerne vor. Diesen Unterschied zu kennen ist wie beim Coach, der erkennt, wer mehr Gewicht auflegen kann und welche Übung besser passt.
Wenn es wirklich brennt
Es gibt Ausnahmen, und die gehören dazu. Bei uns hat sich einmal ein wichtiger Kunde am Freitag mit einem Problem gemeldet und bis Montag Lösungen verlangt. Wir haben uns am Samstag abgesprochen, damit wir am Montag vorbereitet starten und dem Kunden gut vorbereitet begegnen konnten. Das war gemeinsam abgestimmt und eine Ausnahme. Notfälle erkennen und Aufgaben richtig priorisieren ist ebenfalls Führungsstärke.
Wenn solche Ausnahmen jede Woche auftreten, lohnt sich ein Blick auf Produkt und Abläufe. Dann steckt die Chance dahinter, etwas grundlegend zu verbessern.
Fazit
Begeisterung ist der Motor. Gefühl für den richtigen Moment ist das Steuer.
Wer als Führungskraft Energie mit Rücksicht kombiniert, bekommt ein Team, das gerne mitrennt und dabei gesund bleibt.
Ihre Aufgabe bis Montag: Schauen Sie in Ihren Postausgang der letzten vier Wochen. Wie viele Nachrichten hätten bis Montag 8 Uhr warten dürfen? Schreiben Sie mir Ihre Zahl, ich bin gespannt, wer unter drei bleibt. 😄
Wie ich Ihnen konkret helfen kann
Gute Ideen und gute Führung gehören zusammen. In meiner Beratung und in meinen Vorträgen arbeiten wir gemeinsam an:
- Zeitmanagement: Wie Sie Ihre Energie und die Ihres Teams klug einteilen.
- Führung: Wie Sie Begeisterung so weitergeben, dass sie mitreisst und motiviert.
- Technische Hilfsmittel: Wie Sie spontane Ideen mit einfachen Tools festhalten (Notizen, Sprachaufnahme, KI-Zusammenfassung) und zum richtigen Zeitpunkt ins Team bringen.
Haben Sie Lust, mit Ihrem Team Begeisterung und klare Abläufe zu verbinden? Ich freue mich auf Sie!

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